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Susanne Kohrs

Rede zum Einzelhandelskonzept

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

die Linksfraktion lehnt das Einzelhandelskonzept Trier 25+ mit folgender Begründung ab:

Das Einzelhandelskonzept ist in sich schlüssig und nachvollziehbar. Wir fragen uns aber:

  • Wem nützt das Konzept?

  • Ist es gut für die Stadt Trier und ihre Bürger?

  • Schafft es die Rahmenbedingungen, damit sowohl die Gewerbetreibenden, als auch die Arbeitnehmer und Angestellte, als auch die Bürger dieser Stadt sich hier wohlfühlen und gerne Leben?

Auf diese Frage bietet uns das Einzelhandelskonzept leider keine Lösung. Die Steuerung der Wirtschaft durch die Stadt ist ein richtiger Ansatzpunkt, doch unserer Meinung nach ist die hier vorgesehene Steuerung nicht zieleführend. Unsere Ziele sind:

  • Trier ist geprägt durch einen hohen Anteil an traditionellem Inhabergeführten Einzelhandel, welcher unserer Meinung nach, geschützt werden muss.

  • Außerem muss in einer Stadt, in der Busfahren so teuer ist wie in Trier, ein Nahversorgungsangebot im engeren Sinne gewährleistet sein. Also die fußläufige Erreichbarkeit von Gütern des täglichen Bedarfs.

  • Unser Ziel ist es jedoch nicht, in jedem Stadtteil Konsumtempel anzusiedeln und somit Konkurrenzsituationen eintreten zu lassen, in der die Angestellten meist die ersten sind auf die sich eine solche Wettbewerbssituation direkt niederschlägt.

  • Das Lebensmittelnahversorgung wollen wir über den traditionellen Inhabergeführten Einzelhandel, dem Fleischer, dem Bäcker, dem Inhaber eines Bioladens usw., der seine Produkte hier in der Region produziert und der hier in der Region verankert ist, auch in den „schwächeren“ Ortsteilen gewährleisten. Dadurch lässt sich eine ökologisch sinnvolle Verkürzung der Werschöpfungsketten, sowie die Bindung der regionalen Kaufkraft realisieren, sodass das Potential des Oberzentrums Trier umfassender ausgeschöpft werden kann.

  • Wir wollen dadurch erreichen, dass die Zentren, die mittlerweile schon fast ausgestorben sind, da kein Bäcker oder Fleischer mit den Preisen eines Discounters mithalten kann, neu belebt werden.

  • Durch die Schaffung solcher zentraler Treffpunkte des täglichen Lebens wollen wir den Zusammenhalt in der Gemeinschaft fördern.

  • Wir wollen als Kommune nachhaltig wirken. Wir wollen durch die Förderung des lokalen Einzelhändlers kurze Produktionswege fördern. Wir verkürzten die Transportwege und förderten die Region.

Das Einzelhandelskonzept fördert die Erreichung dieser Ziele nicht. Insbesondere setzt es mit seinem Zentrenkonzept die Flächen so fest, dass es für die „schwächeren“ Ortsteile kaum möglich wird, sich zu entwickeln. Hauptproblem ist unserer Meinung nach die Flächenfestsetzung für das Ziel 2. Also für Stadtteilzentren mit “stadtteilübergreifender Versorgungsfunktion”. “Stadtteil- übergreifend” bedeutet zwangsläufig, dass große Einzelhändler aufgrund ihrer Marktmacht die Entstehung kleiner inhabergeführter Läden in den kleineren Zentren erschweren oder verhindern werden.

Was die innovative Weiterentwicklung des Hauptzentrums angeht, also Ziel 1, so sehen wir die Ansiedlung von Primarkt und anderen Fashionketten als keinen innovativen Ansatz und sprechen uns ausdrücklich gegen die Förderung einer austauschbaren Fashionindustrie aus, die ihren Gewinn auf Kosten der Produktions- und Menschenrechtsstandards in anderen Ländern erzielt.

Wir haben in Trier eine sehr hohe Handelszentralität und es ist verständlich, dass diese Zentralität gehalten werden soll. Aber gerade vor diesem Hintergrund vermissen wir die innovativen Ideen, wie wir unsere Attraktivität in der Region erhalten und ausbauen können.

Die Linksfraktion sieht hier die Förderung der Kultur- und Freizeitwirtschaft als die gefragte Innovative. Triers Attraktivität speist sich nicht aus der Gleichförmigkeit von Läden wie H&M, Müller, Douglas oder Karstadt, sondern aus der historischen und vor allem unverwechselbaren Kulisse der Stadt: Wenn man zum Beispiel durch die Neustrasse geht und sich schon fast an Italien erinnert fühlt. :-)

Es ist das Ambiente der Stadt, was das Einkaufen zum Erlebnis macht und das muss gefördert werden, anstatt Flächen auszuweisen, damit austauschbare Monolithen in einem ruinösen Verdrängungwettbewerb miteinander konkurrieren können.


Wahlprogramm zur Kommunalwahl in Trier am 26. Mai 2019

Terminübersicht

Susanne Kohrs

Rede zum Einzelhandelskonzept

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

die Linksfraktion lehnt das Einzelhandelskonzept Trier 25+ mit folgender Begründung ab:

Das Einzelhandelskonzept ist in sich schlüssig und nachvollziehbar. Wir fragen uns aber:

  • Wem nützt das Konzept?

  • Ist es gut für die Stadt Trier und ihre Bürger?

  • Schafft es die Rahmenbedingungen, damit sowohl die Gewerbetreibenden, als auch die Arbeitnehmer und Angestellte, als auch die Bürger dieser Stadt sich hier wohlfühlen und gerne Leben?

Auf diese Frage bietet uns das Einzelhandelskonzept leider keine Lösung. Die Steuerung der Wirtschaft durch die Stadt ist ein richtiger Ansatzpunkt, doch unserer Meinung nach ist die hier vorgesehene Steuerung nicht zieleführend. Unsere Ziele sind:

  • Trier ist geprägt durch einen hohen Anteil an traditionellem Inhabergeführten Einzelhandel, welcher unserer Meinung nach, geschützt werden muss.

  • Außerem muss in einer Stadt, in der Busfahren so teuer ist wie in Trier, ein Nahversorgungsangebot im engeren Sinne gewährleistet sein. Also die fußläufige Erreichbarkeit von Gütern des täglichen Bedarfs.

  • Unser Ziel ist es jedoch nicht, in jedem Stadtteil Konsumtempel anzusiedeln und somit Konkurrenzsituationen eintreten zu lassen, in der die Angestellten meist die ersten sind auf die sich eine solche Wettbewerbssituation direkt niederschlägt.

  • Das Lebensmittelnahversorgung wollen wir über den traditionellen Inhabergeführten Einzelhandel, dem Fleischer, dem Bäcker, dem Inhaber eines Bioladens usw., der seine Produkte hier in der Region produziert und der hier in der Region verankert ist, auch in den „schwächeren“ Ortsteilen gewährleisten. Dadurch lässt sich eine ökologisch sinnvolle Verkürzung der Werschöpfungsketten, sowie die Bindung der regionalen Kaufkraft realisieren, sodass das Potential des Oberzentrums Trier umfassender ausgeschöpft werden kann.

  • Wir wollen dadurch erreichen, dass die Zentren, die mittlerweile schon fast ausgestorben sind, da kein Bäcker oder Fleischer mit den Preisen eines Discounters mithalten kann, neu belebt werden.

  • Durch die Schaffung solcher zentraler Treffpunkte des täglichen Lebens wollen wir den Zusammenhalt in der Gemeinschaft fördern.

  • Wir wollen als Kommune nachhaltig wirken. Wir wollen durch die Förderung des lokalen Einzelhändlers kurze Produktionswege fördern. Wir verkürzten die Transportwege und förderten die Region.

Das Einzelhandelskonzept fördert die Erreichung dieser Ziele nicht. Insbesondere setzt es mit seinem Zentrenkonzept die Flächen so fest, dass es für die „schwächeren“ Ortsteile kaum möglich wird, sich zu entwickeln. Hauptproblem ist unserer Meinung nach die Flächenfestsetzung für das Ziel 2. Also für Stadtteilzentren mit “stadtteilübergreifender Versorgungsfunktion”. “Stadtteil- übergreifend” bedeutet zwangsläufig, dass große Einzelhändler aufgrund ihrer Marktmacht die Entstehung kleiner inhabergeführter Läden in den kleineren Zentren erschweren oder verhindern werden.

Was die innovative Weiterentwicklung des Hauptzentrums angeht, also Ziel 1, so sehen wir die Ansiedlung von Primarkt und anderen Fashionketten als keinen innovativen Ansatz und sprechen uns ausdrücklich gegen die Förderung einer austauschbaren Fashionindustrie aus, die ihren Gewinn auf Kosten der Produktions- und Menschenrechtsstandards in anderen Ländern erzielt.

Wir haben in Trier eine sehr hohe Handelszentralität und es ist verständlich, dass diese Zentralität gehalten werden soll. Aber gerade vor diesem Hintergrund vermissen wir die innovativen Ideen, wie wir unsere Attraktivität in der Region erhalten und ausbauen können.

Die Linksfraktion sieht hier die Förderung der Kultur- und Freizeitwirtschaft als die gefragte Innovative. Triers Attraktivität speist sich nicht aus der Gleichförmigkeit von Läden wie H&M, Müller, Douglas oder Karstadt, sondern aus der historischen und vor allem unverwechselbaren Kulisse der Stadt: Wenn man zum Beispiel durch die Neustrasse geht und sich schon fast an Italien erinnert fühlt. :-)

Es ist das Ambiente der Stadt, was das Einkaufen zum Erlebnis macht und das muss gefördert werden, anstatt Flächen auszuweisen, damit austauschbare Monolithen in einem ruinösen Verdrängungwettbewerb miteinander konkurrieren können.