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Marc-Bernhard Gleißner

Eröffnung des Internationalen Ferienkurses an der Universität Trier

Am 05. August vertrat Marc-Bernhard Gleißner, Vorsitzender der Linksfraktion, Herrn Oberbürgermeister Klaus Jensen und durfte so im Namen der Stadt den Internationalen Ferienkurs eröffnen. Marc-Bernhard Gleißner begrüßte nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch den Präsidenten der Universität Trier, Herrn Prof. Dr. Michael Jäckel, der den Ferienkurs für die Universität Trier eröffnete. Anwesend waren auch Frau Birgit Roser vom Akademischen Auslandsamt und Frau Stefanie Morgen.
Hier kann man die Rede von Marc-Bernhard Gleißner nachlesen:


Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Ferienkurses, der Universität Trier,
sehr geehrter Herr Präsident, Prof. Dr. Michael Jäckel,
sehr geehrte Frau Birgit Roser,
und sehr geehrte Frau Stefanie Morgen,

ich darf Sie ganz herzlich im Namen von Herrn Oberbürgermeister Klaus Jensen grüßen und in unserer Stadt, Trier, die älteste Stadt Deutschland willkommen heißen.
Herr Oberbürgermeister Jensen ist leider verhindert und so obliegt mir die Ehre, in seinem und im Namen der Stadt Trier den Internationalen Ferienkurs an der Universität mit zu eröffnen.
Mein Name ist Marc-Bernhard Gleißner und ich vertrete den Herrn Oberbürgermeister in meiner Funktion als Vorsitzender der Linksfraktion im Stadtrat Trier.
Dieser wunderschöne Raum, in dem wir gerade sitzen, ist der Rathaussaal der Staat Trier. Hier tagt der Stadtrat. Unser demokratisches Gremium, dass die politischen Geschicke der Stadt Trier bestimmt. Und wie es in Trier üblich ist, hat alles eine Geschichte. Auch dieser Saal hier:
Der heutige Hauptsitz der Stadtverwaltung, das Rathaus am Augustinerhof, war bis 1801 ein Kloster der Augustiner-Eremiten, eines Bettelordens, der sich besonders intensiv der Seelsorge widmete. Die Ordensklöster lagen oft am Rande der Stadt nahe der Stadtmauer, so auch in Trier.
Die Augustiner-Eremiten siedelten sich hier vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts an. Von der ursprünglichen Klosteranlage ist nur der hochgotische Chor der Klosterkirche, der in die Zeit um 1320/25 datiert wird, bis heute erhalten geblieben. Damit hat der Trierer Stadtrat ein Alleinstellungsmerkmal von allen Rathaussälen in Deutschland: Wir befinden uns in einer Klosterkirche.
1722 wurde das mittelalterliche Kloster durch einen vierflügeligen barocken Neubau mit Innenhof ersetzt, der den Kern des heutigen Rathauses bildet. 1794 wurde das Augustinerkloster unter französischer Besatzung kurzzeitig als Gefängnis und Reiterkaserne genutzt und 1810 als Gebäude zum Landarmenhaus umfunktioniert.
Bereits 1925 übernahm die Stadt das Gebäude und baute es als zweites Rathaus um. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das alte Rathaus am Kornmarkt zerstört wurde, zog die Stadtverwaltung endgültig an den Augustinerhof. Der Chor der Augustinerkirche, der wie der gesamte Komplex 1944 durch einen Luftangriff beschädigt worden war, wurde erst in den späten 50er Jahren instand gesetzt.
Ein geschichtsträchtiger Raum, in dem Sie also sitzen: Erst Priester und Mönche, dann Gefangene und später Kranke und Arme. Heute sitzen hier die demokratisch gewählten und ehrenamtlich tätigen Stadträtinnen und Stadträte.
In den Stuhlreihen in denen Sie jetzt sitzen, sitzen heute die am 25. Mai 2014 gewählten demokratischen Vertreter.
CDU 20 Sitze
Gegenüber die SPD 15
Daneben die Grünen 9 Sitze
Gegenüber die FWG 4
Auf der anderen Seite die LINKE mit 3 Sitzen
Dem gegenüber vorne 2 FDP
Dahinter 2 AfD
Davor 1 Piratin
Auch schon bei diesem Wahlergebnis sehen Sie wie vielfältig Trier ist.
Und auch Sie sind ein Teil dieser großen Vielfalt! Indem Sie diesen Internationalen Ferienkurs besuchen, lernen Sie Trier kennen und bringen aber auch sich als junge Studierende in diese Stadt ein und machen sie jünger und bunter.
Das Kursmotto für den Internationalen Ferientag lautet „Deutschland und seine Nachbarn“ und soll Aufschluss geben über Deutschland, unsere Sprache, aber auch im Austausch mit unseren Europäischen Nachbarn. Mit Trier haben Sie eine exzellente Stadt getroffen, ganz in der Nähe zu unseren Nachbarn Frankreich, Luxemburg und Belgien.
Als Germanist und Lehrbeauftragter für Theaterwissenschaften an der Universität Trier freut es mich, dass Sie aus der ganzen Welt angereist sind, um unsere Stadt kennen und vielleicht lieben zu lernen und um deutsch zu studieren.
Ich selbst hatte das große Glück, dass ich im Jahr 2007 an der Universität Presov in der Ost-Slowakei an einer Vortragsreihe teilnehmen durfte, die sich Grenzgängereien nannte. 2007 und 2008 festigten wir so eine Partnerschaft zwischen den beiden Germanistischen Instituten in Trier und Presov. Wobei meine Theatergruppe die Slowakei besucht und in beiden Jahren auch eine Theateraufführung auf die Beine brachte.
Dieser Austausch über Grenzen hinweg, diese Grenzgängereien, sind ein Ausdruck von einem freundschaftlichen Zusammenwachsen der Welt, über Grenzen hinweg, mit dem Ziel, ein anderes Land, eine andere Sprache, eine andere Kultur kennenzulernen. Dies sind die notwendigen Grundlagen für eine gerechte Welt und für eine Welt in Frieden.
Ihr Engagement in diesem Ferienkurs ist ein Schritt zum gegenseitigen Verstehen. Und ich wünsche Ihnen für diesen Kurs viel Spaß, viel Erfolg beim Erlernen der Sprache und viel Freude beim Erkunden von Trier und der europäischen Großregion. Dem Programm durfte ich entnehmen, dass Sie die Mosel, Metz, Arlon und Luxemburg erkunden werden. Ich weiß, dass wird ein tolles Programm. Sie werden viel Schönes sehen.
Als Vertreter des Oberbürgermeisters darf ich aber nun auch noch ein wenig unsere schöne Stadt bewerben. Und als Theaterwissenschaftler finde ich, kann man diese Stadt wie ein kunstvolles Drama beschreiben und zwar wie folgt:
Der erste Teil eines Dramas ist die Exposition – die Ausgangslage: Wenn Sie durch Trier gehen, werden Sie überall die römisch-antike Prägung der Stadt sehen. Das Wahrzeichen der Stadt, die Porta Nigra, die das antike Stadttor bildete und in der unter anderem auch der Heilige Atanasius lebte. Eine sehr spannende Person: Während die Christen in der frühen Neuzeit darum stritten, wie sie ihren Glauben verstanden wissen wollen, formulierte Atanasisus den Satz: Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Für diesen Satz wurde er dann ins Exil nach Trier verbannt. Es soll ihm aber dort gut gegangen sein. Er soll dort viel spazieren gegangen sein und hat das Antike Trier sehr genossen. Heute ist Atanasius Satz einer der Glaubenssätze des Christentums. Also wenn Sie nun auf den Straßen Triers gehen, vergegenwärtigen Sie sich, welche großen Personen hier schon vor Jahren darüber gegangen sind. Überall in Trier finden Sie römische Denkmäler: das Amphittheater, die Thermen am Viehmarkt oder am Palastgarten, die Konstantinbasilika und die Römerbrücke. Sie alle machen das Flair der Stadt aus. Gehen Sie offenen Auges durch die Stadt und riechen Sie die Geschichte, die in unserer Stadt präsent ist. Es ist ein Erlebnis für die Sinne.
Der zweite Teil des Dramas ist die Epitase, also der Punkt an dem die Geschichte immer ein wenig komplizierter wird: Mit dem Mittelalter hält in die Stadt eine ganz neue Architektur Einzug. Während das Antike Trier in geraden Strukturen aufgebaut war, was sie auch an den Straßen sehen können. Denn die römische Architektur baute alles in Quadraten auf: heute noch zu sehen an der Nord-, Ost- Süd-Allee und dem Pacelli-Ufer. Kommen nur kleiner Straßen hinzu, die Querverbindungen durch die Stadt schlagen. Erste Ghettos entwickeln sich. Wenn Sie beispielsweise durch die Fußgängerzone gehen, werden Sie unter anderem auf die Judengasse stoßen. Ein historisch sehr spannender Teil der Stadt, der uns Auskunft darüber gibt, wie im Mittelalter Trennung und auch Diskriminierung stattfand.
Aber Sie werden auch neue Kirchen finden: den Dom, St. Gangolf, die Liebfrauenkirche und der Marktplatz, die die Ästhetik einer mittelalterlichen Stadt zeigen. Aber auch mit den Wehrtürmen wie dem Frankenturm oder dem Turm Jerusalem, den Krähnen an der Mosel oder dem Dreikönigshaus, ein gotisches Wohnhaus, dessen Tür nur durch eine Treppe erreichbar war, die 5 Meter über der Straße war und bei Gefahr eingezogen werden konnte, zeigen, dass es im Mittelalter recht turbulent in Trier war.
Die Peripetie beschreibt den Höhepunkt eines Dramas: Diesen Höhepunkt finden wir in der Neuzeit. Zwei wichtige Protagonisten möchte ich Ihnen hier etwas näher bringen. Den ersten werden Sie wahrscheinlich nicht kennen.
Es handelt sich um Friedrich Spee, dessen Grab in der Jesuitenkirche besuchbar ist: Friedrich Spee (* 25. Februar 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf; † 7. August 1635 in Trier) war ein deutscher Jesuit. Er wurde berühmt als Kritiker der Hexenprozesse, aber auch als Kirchenlieddichter. Das Erzbistum Köln führt ihn als heiligmäßige Person. Der Prozess seiner Heiligsprechung ist aber immer noch nicht abgeschlossen.
Er genoss eine gute Erziehung und trat 1610 gegen den Willen seiner Eltern mit 19 Jahren in Trier in den Jesuitenorden ein. Nach Abschluss des Theologiestudiums in Mainz 1619–1623 erhielt Friedrich am 28. März 1623 die Priesterweihe im Mainzer Dom. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er 1623–1626 als Dozent an der Jesuiten-Universität in Paderborn und absolvierte in Speyer (1626/27) das Tertiat, das dritte Probejahr des Ordens.
1633, zwei Jahre nach Veröffentlichung der Cautio criminalis, in der er seine Bedenken gegen die Hexenverfolgung niederschrieb, versetzte ihn der Orden als Professor nach Trier. Dort vollendete Spee die vermutlich bereits zehn Jahre früher begonnene „Trutznachtigall“, eine Sammlung mit kunstvollen lyrischen Gedichten und heute noch bekannten Kirchenliedern.
In diesem Buch schrieb er:
27. Ist die Folter ein geeignetes Mittel zur Enthüllung der Wahrheit?
Bei der Folter ist alles voll von Unsicherheit und Dunkel [...]; ein Unschuldiger muß für ein unsicheres Verbrechen die sichersten Qualen erdulden.
28. Welches sind die Beweise derer, die sofort die auf der Folter erpressten Geständnisse für wahr halten?
Aussagen, die auch heute noch für uns Bedeutung haben sollten. Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckte er sich an und starb am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Sein Leichnam liegt in einer nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, begraben.
Die zweite Person ist Karl Marx: Karl Marx (*5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war ein Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Und er ist der bekannteste Sohn unserer Stadt. Ich kann Ihnen es nur ans Herz legen, in Ihrer Freizeit das Karl Marx Museum zu besuchen. Es wird ihnen spannende Einlicke in die Geschichte Europas und der Welt geben, die hier in Trier ihren Anfang nahm.
Die Retardation beschreibt die Verlangsamung: Diese Phase finden Sie in Trier auch in der Aufarbeitung des zweiten Weltkrieges. Schauen Sie sich in dieser Stadt auch einmal langsam und intensiv um. Auf den Straßen werden Sie goldene Gedenksteine finden. Stolpersteine, die auf ermordete Personen in der NS-Diktatur hinweisen und auch das Denkmal für die NS-Opfer dass sie auf dem Hauptfriedhof finden. Oder wenn sie auf dem Petrisberg spazieren gehen, wo im zweiten Weltkrieg ein Gefangenlager war, in dem auch der berühmte französische Philosoph Jean-Paul-Satre inhaftiert war. Gehen Sie auf seinen Weg und atmen sie wieder ein Stück, wenn auch sehr bedrückende Geschichte.
Der letzte Teil des Dramas ist die Lysis: Alles löst sich auf und alle sind glücklich und froh. Nehmen Sie Trier als ein historisches Drama wahr, spüren Sie der Schönheit und den Konflikten, den schönen und den dunklen Seiten nach, sie werden viel Wunderbares und Spannendes finden. Aber genießen Sie auch die Natur, den Wein, die Studentenkultur, die Konzerte und das bunte Leben dieser Stadt. Hierfür wünsche ich Ihnen gutes Studieren und eine gute Zeit in Trier.


Wahlprogramm zur Kommunalwahl in Trier am 26. Mai 2019

Terminübersicht

Marc-Bernhard Gleißner

Eröffnung des Internationalen Ferienkurses an der Universität Trier

Am 05. August vertrat Marc-Bernhard Gleißner, Vorsitzender der Linksfraktion, Herrn Oberbürgermeister Klaus Jensen und durfte so im Namen der Stadt den Internationalen Ferienkurs eröffnen. Marc-Bernhard Gleißner begrüßte nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch den Präsidenten der Universität Trier, Herrn Prof. Dr. Michael Jäckel, der den Ferienkurs für die Universität Trier eröffnete. Anwesend waren auch Frau Birgit Roser vom Akademischen Auslandsamt und Frau Stefanie Morgen.
Hier kann man die Rede von Marc-Bernhard Gleißner nachlesen:


Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Ferienkurses, der Universität Trier,
sehr geehrter Herr Präsident, Prof. Dr. Michael Jäckel,
sehr geehrte Frau Birgit Roser,
und sehr geehrte Frau Stefanie Morgen,

ich darf Sie ganz herzlich im Namen von Herrn Oberbürgermeister Klaus Jensen grüßen und in unserer Stadt, Trier, die älteste Stadt Deutschland willkommen heißen.
Herr Oberbürgermeister Jensen ist leider verhindert und so obliegt mir die Ehre, in seinem und im Namen der Stadt Trier den Internationalen Ferienkurs an der Universität mit zu eröffnen.
Mein Name ist Marc-Bernhard Gleißner und ich vertrete den Herrn Oberbürgermeister in meiner Funktion als Vorsitzender der Linksfraktion im Stadtrat Trier.
Dieser wunderschöne Raum, in dem wir gerade sitzen, ist der Rathaussaal der Staat Trier. Hier tagt der Stadtrat. Unser demokratisches Gremium, dass die politischen Geschicke der Stadt Trier bestimmt. Und wie es in Trier üblich ist, hat alles eine Geschichte. Auch dieser Saal hier:
Der heutige Hauptsitz der Stadtverwaltung, das Rathaus am Augustinerhof, war bis 1801 ein Kloster der Augustiner-Eremiten, eines Bettelordens, der sich besonders intensiv der Seelsorge widmete. Die Ordensklöster lagen oft am Rande der Stadt nahe der Stadtmauer, so auch in Trier.
Die Augustiner-Eremiten siedelten sich hier vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts an. Von der ursprünglichen Klosteranlage ist nur der hochgotische Chor der Klosterkirche, der in die Zeit um 1320/25 datiert wird, bis heute erhalten geblieben. Damit hat der Trierer Stadtrat ein Alleinstellungsmerkmal von allen Rathaussälen in Deutschland: Wir befinden uns in einer Klosterkirche.
1722 wurde das mittelalterliche Kloster durch einen vierflügeligen barocken Neubau mit Innenhof ersetzt, der den Kern des heutigen Rathauses bildet. 1794 wurde das Augustinerkloster unter französischer Besatzung kurzzeitig als Gefängnis und Reiterkaserne genutzt und 1810 als Gebäude zum Landarmenhaus umfunktioniert.
Bereits 1925 übernahm die Stadt das Gebäude und baute es als zweites Rathaus um. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem das alte Rathaus am Kornmarkt zerstört wurde, zog die Stadtverwaltung endgültig an den Augustinerhof. Der Chor der Augustinerkirche, der wie der gesamte Komplex 1944 durch einen Luftangriff beschädigt worden war, wurde erst in den späten 50er Jahren instand gesetzt.
Ein geschichtsträchtiger Raum, in dem Sie also sitzen: Erst Priester und Mönche, dann Gefangene und später Kranke und Arme. Heute sitzen hier die demokratisch gewählten und ehrenamtlich tätigen Stadträtinnen und Stadträte.
In den Stuhlreihen in denen Sie jetzt sitzen, sitzen heute die am 25. Mai 2014 gewählten demokratischen Vertreter.
CDU 20 Sitze
Gegenüber die SPD 15
Daneben die Grünen 9 Sitze
Gegenüber die FWG 4
Auf der anderen Seite die LINKE mit 3 Sitzen
Dem gegenüber vorne 2 FDP
Dahinter 2 AfD
Davor 1 Piratin
Auch schon bei diesem Wahlergebnis sehen Sie wie vielfältig Trier ist.
Und auch Sie sind ein Teil dieser großen Vielfalt! Indem Sie diesen Internationalen Ferienkurs besuchen, lernen Sie Trier kennen und bringen aber auch sich als junge Studierende in diese Stadt ein und machen sie jünger und bunter.
Das Kursmotto für den Internationalen Ferientag lautet „Deutschland und seine Nachbarn“ und soll Aufschluss geben über Deutschland, unsere Sprache, aber auch im Austausch mit unseren Europäischen Nachbarn. Mit Trier haben Sie eine exzellente Stadt getroffen, ganz in der Nähe zu unseren Nachbarn Frankreich, Luxemburg und Belgien.
Als Germanist und Lehrbeauftragter für Theaterwissenschaften an der Universität Trier freut es mich, dass Sie aus der ganzen Welt angereist sind, um unsere Stadt kennen und vielleicht lieben zu lernen und um deutsch zu studieren.
Ich selbst hatte das große Glück, dass ich im Jahr 2007 an der Universität Presov in der Ost-Slowakei an einer Vortragsreihe teilnehmen durfte, die sich Grenzgängereien nannte. 2007 und 2008 festigten wir so eine Partnerschaft zwischen den beiden Germanistischen Instituten in Trier und Presov. Wobei meine Theatergruppe die Slowakei besucht und in beiden Jahren auch eine Theateraufführung auf die Beine brachte.
Dieser Austausch über Grenzen hinweg, diese Grenzgängereien, sind ein Ausdruck von einem freundschaftlichen Zusammenwachsen der Welt, über Grenzen hinweg, mit dem Ziel, ein anderes Land, eine andere Sprache, eine andere Kultur kennenzulernen. Dies sind die notwendigen Grundlagen für eine gerechte Welt und für eine Welt in Frieden.
Ihr Engagement in diesem Ferienkurs ist ein Schritt zum gegenseitigen Verstehen. Und ich wünsche Ihnen für diesen Kurs viel Spaß, viel Erfolg beim Erlernen der Sprache und viel Freude beim Erkunden von Trier und der europäischen Großregion. Dem Programm durfte ich entnehmen, dass Sie die Mosel, Metz, Arlon und Luxemburg erkunden werden. Ich weiß, dass wird ein tolles Programm. Sie werden viel Schönes sehen.
Als Vertreter des Oberbürgermeisters darf ich aber nun auch noch ein wenig unsere schöne Stadt bewerben. Und als Theaterwissenschaftler finde ich, kann man diese Stadt wie ein kunstvolles Drama beschreiben und zwar wie folgt:
Der erste Teil eines Dramas ist die Exposition – die Ausgangslage: Wenn Sie durch Trier gehen, werden Sie überall die römisch-antike Prägung der Stadt sehen. Das Wahrzeichen der Stadt, die Porta Nigra, die das antike Stadttor bildete und in der unter anderem auch der Heilige Atanasius lebte. Eine sehr spannende Person: Während die Christen in der frühen Neuzeit darum stritten, wie sie ihren Glauben verstanden wissen wollen, formulierte Atanasisus den Satz: Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Für diesen Satz wurde er dann ins Exil nach Trier verbannt. Es soll ihm aber dort gut gegangen sein. Er soll dort viel spazieren gegangen sein und hat das Antike Trier sehr genossen. Heute ist Atanasius Satz einer der Glaubenssätze des Christentums. Also wenn Sie nun auf den Straßen Triers gehen, vergegenwärtigen Sie sich, welche großen Personen hier schon vor Jahren darüber gegangen sind. Überall in Trier finden Sie römische Denkmäler: das Amphittheater, die Thermen am Viehmarkt oder am Palastgarten, die Konstantinbasilika und die Römerbrücke. Sie alle machen das Flair der Stadt aus. Gehen Sie offenen Auges durch die Stadt und riechen Sie die Geschichte, die in unserer Stadt präsent ist. Es ist ein Erlebnis für die Sinne.
Der zweite Teil des Dramas ist die Epitase, also der Punkt an dem die Geschichte immer ein wenig komplizierter wird: Mit dem Mittelalter hält in die Stadt eine ganz neue Architektur Einzug. Während das Antike Trier in geraden Strukturen aufgebaut war, was sie auch an den Straßen sehen können. Denn die römische Architektur baute alles in Quadraten auf: heute noch zu sehen an der Nord-, Ost- Süd-Allee und dem Pacelli-Ufer. Kommen nur kleiner Straßen hinzu, die Querverbindungen durch die Stadt schlagen. Erste Ghettos entwickeln sich. Wenn Sie beispielsweise durch die Fußgängerzone gehen, werden Sie unter anderem auf die Judengasse stoßen. Ein historisch sehr spannender Teil der Stadt, der uns Auskunft darüber gibt, wie im Mittelalter Trennung und auch Diskriminierung stattfand.
Aber Sie werden auch neue Kirchen finden: den Dom, St. Gangolf, die Liebfrauenkirche und der Marktplatz, die die Ästhetik einer mittelalterlichen Stadt zeigen. Aber auch mit den Wehrtürmen wie dem Frankenturm oder dem Turm Jerusalem, den Krähnen an der Mosel oder dem Dreikönigshaus, ein gotisches Wohnhaus, dessen Tür nur durch eine Treppe erreichbar war, die 5 Meter über der Straße war und bei Gefahr eingezogen werden konnte, zeigen, dass es im Mittelalter recht turbulent in Trier war.
Die Peripetie beschreibt den Höhepunkt eines Dramas: Diesen Höhepunkt finden wir in der Neuzeit. Zwei wichtige Protagonisten möchte ich Ihnen hier etwas näher bringen. Den ersten werden Sie wahrscheinlich nicht kennen.
Es handelt sich um Friedrich Spee, dessen Grab in der Jesuitenkirche besuchbar ist: Friedrich Spee (* 25. Februar 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf; † 7. August 1635 in Trier) war ein deutscher Jesuit. Er wurde berühmt als Kritiker der Hexenprozesse, aber auch als Kirchenlieddichter. Das Erzbistum Köln führt ihn als heiligmäßige Person. Der Prozess seiner Heiligsprechung ist aber immer noch nicht abgeschlossen.
Er genoss eine gute Erziehung und trat 1610 gegen den Willen seiner Eltern mit 19 Jahren in Trier in den Jesuitenorden ein. Nach Abschluss des Theologiestudiums in Mainz 1619–1623 erhielt Friedrich am 28. März 1623 die Priesterweihe im Mainzer Dom. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er 1623–1626 als Dozent an der Jesuiten-Universität in Paderborn und absolvierte in Speyer (1626/27) das Tertiat, das dritte Probejahr des Ordens.
1633, zwei Jahre nach Veröffentlichung der Cautio criminalis, in der er seine Bedenken gegen die Hexenverfolgung niederschrieb, versetzte ihn der Orden als Professor nach Trier. Dort vollendete Spee die vermutlich bereits zehn Jahre früher begonnene „Trutznachtigall“, eine Sammlung mit kunstvollen lyrischen Gedichten und heute noch bekannten Kirchenliedern.
In diesem Buch schrieb er:
27. Ist die Folter ein geeignetes Mittel zur Enthüllung der Wahrheit?
Bei der Folter ist alles voll von Unsicherheit und Dunkel [...]; ein Unschuldiger muß für ein unsicheres Verbrechen die sichersten Qualen erdulden.
28. Welches sind die Beweise derer, die sofort die auf der Folter erpressten Geständnisse für wahr halten?
Aussagen, die auch heute noch für uns Bedeutung haben sollten. Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckte er sich an und starb am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Sein Leichnam liegt in einer nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, begraben.
Die zweite Person ist Karl Marx: Karl Marx (*5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war ein Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Und er ist der bekannteste Sohn unserer Stadt. Ich kann Ihnen es nur ans Herz legen, in Ihrer Freizeit das Karl Marx Museum zu besuchen. Es wird ihnen spannende Einlicke in die Geschichte Europas und der Welt geben, die hier in Trier ihren Anfang nahm.
Die Retardation beschreibt die Verlangsamung: Diese Phase finden Sie in Trier auch in der Aufarbeitung des zweiten Weltkrieges. Schauen Sie sich in dieser Stadt auch einmal langsam und intensiv um. Auf den Straßen werden Sie goldene Gedenksteine finden. Stolpersteine, die auf ermordete Personen in der NS-Diktatur hinweisen und auch das Denkmal für die NS-Opfer dass sie auf dem Hauptfriedhof finden. Oder wenn sie auf dem Petrisberg spazieren gehen, wo im zweiten Weltkrieg ein Gefangenlager war, in dem auch der berühmte französische Philosoph Jean-Paul-Satre inhaftiert war. Gehen Sie auf seinen Weg und atmen sie wieder ein Stück, wenn auch sehr bedrückende Geschichte.
Der letzte Teil des Dramas ist die Lysis: Alles löst sich auf und alle sind glücklich und froh. Nehmen Sie Trier als ein historisches Drama wahr, spüren Sie der Schönheit und den Konflikten, den schönen und den dunklen Seiten nach, sie werden viel Wunderbares und Spannendes finden. Aber genießen Sie auch die Natur, den Wein, die Studentenkultur, die Konzerte und das bunte Leben dieser Stadt. Hierfür wünsche ich Ihnen gutes Studieren und eine gute Zeit in Trier.